PAULA – PAULA

Paula -  Paula

Paula – Paula

cdlpamazon mp3

 

Was für ein Spaß, sich in all den guten deutschsprachigen Veröffentlichungen der letzten Monate zu aalen. So auch in diesem Fall. PAULA – ein Beleg für doppelbödige bis dreidimensionale Texte gegen pop-verklebte Hirnzellen, wie wir sie eher von den Briten kennen.

Hinter PAULA stecken zum einen die Urmitglieder Elke Brauweiler (Gesang/Gitarre) und Berend Intelmann (Keyboard, Sampler und Backing Vocals) sowie Benjamin Schlez (Gitarre). Seit 1997 besteht PAULA nun schon, und hat während der gut 5 Jahre währenden Pause von Berend Intelmann ( zw. 2008 und 2013) auch Daniel Baumann an Bord gehabt, den vor allem NACHLADER-Fans auf dem Zaun haben sollten. Ebenfalls eine viel zu stark unterbewertete Band, deren „Bock Auf Aphorismen?“ in jedem CD Regal stehen sollte.

Dennoch hallt der NACHLADER-Sound bei PAULA nach. Etwa im klaren, trockenen bis treibenden Syntisound. Der Gesamteindruck reicht so von der NDW bis hin zu den ausgefeilten Arrangements der Pet Shops. Beide, Brauweiler auf der einen und Intelmann auf der anderen Seite, ergänzen sich glänzend. Dabei ist der Gesang von Elke Brauweiler ein Genuss. Immer hat man das Gefühlt, sie könnte zuckersüß, und bleibt doch irgendwo bei PAULAzartbitter.

Ihre Texte täuschen oft im Einstieg Harmonie vor, um dann ins krasse Gegenteil zu kippen. Mit einem Stück wie „Was für ein Ende“ die Scheibe zu beginnen ist mehr als genial. Hier steckt schon alles drin, was uns in den nächsten Songs erwartet. Tanzbarer Pop, der uns beschwingt an einer Beziehungskatastrophe teilhaben lässt, gefolgt vom quasi Gegenstück „In Farbe sehen“. Darauf folgt „1987“. Ein Track der wieder über Sythibeats einsteigt, sich aber in Folge mit einer Akustikgitarre abwechselt. „1987“ erinnert mich an die wunderbare Remix-Compilation von KANTE Im ersten Licht“. Mit „Bangkok“ geht die musikalische Reise weit weit zurück. Erinnerungen an die frühen Elektroniktage irgendwo in den 70ern werden geweckt, während der Text von Humpe & Humpe sein könnte.

Auch „Dunkle Nacht“ ist umwoben von einem Sound, wie wir ihn schon auf „Flammende Herzen“ von MICHAEL ROTHER finden könnten. Und doch sind es PAULA, mit einem ihrer besten Songs überhaupt. Ein Liebeslied wie es nur wenige gibt. Und eines der wenigen Lieder von PAULA, auf denen beide Teile gesangliche Versatzstücke platzieren, die sich mal finden und wieder trennen.

Der Song, den wir eigentlich rauf und runter hören sollten, ist „Mehr Entertainment“. Eine böse, ironisch bis zynische Abrechnung mit der uns umgebenden Entwicklung, sich selbst auf allen Kommunikationswegen immer im Mittelpunkt zu sehen. Zugleich mit klaren Worten beschreibend, wie wir uns selbst nicht ertragen, nichts mit uns anzufangen wissen, wenn wir nicht unterhalten werden. Ganz großes Kino!

Das schlicht „PAULA“ benannte aktuelle Album von PAULA ist in voller Länge empfehlenswert. Die 11 Songs treten in einer Dichte an, wie sie kaum noch aus den Ohren zu bekommen ist. Auf laut.de steht zu lesen, dass da auch Live was geht.

Wir sind gespannt. Via rough trade unterwegs.